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17
Sep

Die Piratenpartei und ich.


Eines vorweg: Ich bin seit drei Monaten Mitglied der Piratenpartei – dem Landesverband Bayern – und werde mich vemutlich an der Gründung und am Aufbau einer Passauer Hochschulgruppe beteiligen. Ich habe das aber bis jetzt nicht an die große Glocke gehängt.

Sich zu der Piratenpartei zu bekennen ist grundsätzlich natürlich erstmal nichts schlimmes. Wer sie kennt und weiß wofür die junge Partei steht, der wird einen Parteibeitritt vermutlich nicht als Outing, sondern als ehrenwerten Schritt werten. Aber ich fürchte, dass viele meiner Freunde die öffentliche Unterstützung der Piratenpartei – in ihren Augen eine Porno- oder Spaßpartei – als einen Schritt zurück in der gesellschaftlichen Evolution erkennen werden. Kurz: Ich fürchte um mein Image. Ich will nicht als Nerd verstanden werden.

Aber eben genau das wird man von der breiten Öffentlichkeit leider. Piraten sind Nerds, weil sie es sind. Hier, schaut euch diese Fotos mal an, dann wisst ihr was ich meine. Der Auftritt der Piraten bei der Demonstration Freiheit statt Angst am Samstag hat mich erschrocken. Eine orange Masse. Ja, es sieht aus, wie eine Horde holländischer Fußballfans. Jeder mit seiner eigenen Fahne, die er sich im “Fanshop” bestellt hat. Christian schreibt bei Fixmbr:

Es treten teilweise sektenähnliche Verhaltensweisen auf.
http://www.fixmbr.de/wie-hart-steuerbord-segeln-die-piraten/

Damit, trifft er genau ins Schwarze. Aber das muss ja alles nicht so sein. Die Piratenpartei möchte sich nicht als Spaßpartei verstanden fühlen – und das ist sie ja auch nicht. Aber mit ihrem öffentlichen Auftreten und vor allem mit ihrem Verhalten im Internet wird sie das. Mit ihren teilweise respektlosen oder beleidigenden Kommentaren gegenüber Kritikern und der rücksichtslosen Propagierung der totalen Freiheit schießt sich die Piratenpartei langsam aber sicher ins Aus. Davon muss ich mich als Mitglied distanzieren.

Die Piratenpartei hat gestern Abend auf Twitter geschrieben:

Bitte an alle Piraten. Kritikern der Piratenpartei bitte fair und sachlich begegnen, nie unfreundlich und polemisch.
http://twitter.com/Piratenpartei/statuses/4036960758

Hier mal ein harmloses, aber aktuelles Beispiel: TV-Total, die Show mit Stefan Raab befrägt zu jeder Sendung das anwesende Studiopublikum nach ihrer Wahlentscheidung und zeigt ein Balkendiagramm so wie dieses hier:

btw-o-meterhttp://tvtotal.prosieben.de/tvtotal/videos/player/?contentId=44446

Na, fällt euch was auf? Naja wenn nicht, halb so schlimm. Ihr seid ja keine Mitglieder der Piratenpartei. Dem Piraten fällt aber auf: Es fehlen die Piraten! Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, wie ein typischer Anhänger der Piratenpartei darauf reagieren könnte:

  1. “Die TV-Total Redaktion hat einen Balken für die Sonstigen vergessen, zu der ja auch die Piratenpartei gehört. Das Argument, die Piratenpartei säße ja mit Herrn Taus im Bundestag können wir nicht nochmal wie bei der StudiVZ-Wahlzentrale bringen. Stimmt ja auch gar nicht, da Herr Taus ja offiziell fraktionslos ist.  Also, wäre schön, wenn die Sonstigen auch einen Balken bekommen. Werde mal die Seite dazu im Wiki bookmarken und schauen, was passiert. TV-Total ist doch sowieso blöd.”
  2. “WAS IST DAS BITTE! ALLCAPS!111EINS1!ELF! DA FEHLT DIE PIRATENPARTEI! Muss ich gleich twittern, ins Forum, ins Wiki, in den Jabber-Chat und ins IRC posten! Zusammen mit meinen Piratenfreunden schreien wir gleich ZENSUR! und fluten die TV-Total Webseite mit Kommentaren! Dabei misachten wir sämtliche Höflichkeitsformen, sondern werden einfach fordern, fordern!!, FORDERN!!!! dass die Piratenpartei auch einen Balken kriegt!”

Die erste Möglichkeit – das war meine Reaktion. Die zweite Möglichkeit – das ist diese sektenartige Verhaltensweise – die ich leider nicht unterstüzen kann. Warum? Ganz einfach: Die Piratenpartei muss seriös werden.

  • Sie muss – ihre Mitglieder müssen denken BEVOR sie handeln.
  • Sie müssen die Risiken ihrer und Reaktionen auf ihre Aussagen abwägen BEVOR sie handeln.
  • Sie müssen als Kollektiv handeln, nicht als Einzelpersonen. Im Moment darf nämlich – so sieht es aus – jeder im Namen der Piratenpartei tun und sagen, was er gerade für richtig hält. Aber dadurch wird eine Partei und damit auch ihre Ziele nicht seriös und respektabel.

Die Piratenpartei bekommt meine Stimme zur Bundestagswahl, auch wenn sie die 5% Hürde nicht knacken kann. Hier gibt es fünf gute Gründe, die Piratenpartei zu wählen. In den nächsten vier Jahren bis zur nächsten Wahl muss sich dann aber wirklich einiges tun, damit in vier Jahren die Chance auf eine Piraten-Fraktion im Bundestag besteht.

Zum Schluss kein “Harrrr”, sondern ein “Ahoi!”. Wir wollen ja nicht abschrecken, oder?

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8 Antworten zu “Die Piratenpartei und ich.”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Philipp. Philipp sagte: New Blog Post: Die Piratenpartei und ich. http://bit.ly/P9Wu [...]

  2. Sebastian sagt:

    Hey Philipp,

    netter Artikel, kann dir teilweise schon zustimmen. Ich werde die Piratenpartei auf keinen Fall wählen, denn in meinen Augen ist sie zur Zeit definitiv noch unwählbar.

    Wer will schon eine Partei in der Regierung, die keine Ahnung von Politik, aber von Internetthemen hat? Richtig: keiner. Die PP hat zwar ein gutes Programm fürs Netz, dem ich auch teilweise zustimmen kann, aber für den Rest fehlts auf jeden Fall noch hinten und vorne.

    Auf lange Sicht müsste sich also bei der Piratenpartei noch einiges ändern, damit sie wählbar wird: vor allem klare Stellungnahmen zu den wichtigen Themen der Gesellschaft (und nein, Internet ist zwar als Hobby schön und gut, aber nicht essentiell). Das große Problem der Piratenpartei ist wohl aber auch deren Name – wer will sich schon von einem Piraten vertreten lassen?

    Beste Grüße,

    Sebastian (@eha)

  3. Sven sagt:

    Hallo,

    erstmal schöner Blogpost. Gehe eigentlich komplett konform mit Deiner Meinung, nur dass ich noch nicht den Piraten beigetreten bin.

    Zu Sebastian muss ich sagen, das die Piratenpartei erst vor kurzem einen offenen Brief veröffentlicht hat, indem sie genau diese Position erklärt. Sie versteht sich nicht als Partei, die für jedes Problem eine Lösung hat, sondern als Partei, die ein Thema besetzt, welches sehr viele betrifft, doch nicht von den bisherigen “großen” zu aller Zufriedenheit gehandhabt bzw. thematisiert wird. Und betrachten wir es kurz realistisch, so werden die Piraten schon alle Hände voll zu tun haben, die 5%-Hürde zu knacken. Sie wird “in nächster Zeit” (wenn überhaupt) nicht die Werte eine der “Volksparteien” erhalten. So geht es mMn z.Z. darum, durch einen Sitz im Bundestag die anderen Parteien wachzurütteln und die Internet-affinen Wähler zu vertreten.

    In diesem Sinne ein “Ahoi” und Grüße

    PS: Ich schreibe von unterwegs, sonst hätte ich auch den offenen Brief als Quelle verlinkt – mea culpa.

  4. Anonymous sagt:

    Ich glaube du verwechselst die Piratenpartei mit ihren Wählern.

  5. Philipp sagt:

    Servus Philipp ;-) ,

    hier grüßt der Pirat aus Landshut. Find den Blog Eintrag wirklich gut weil ich dir da auch zustimme. Das ist halt das Problem weil die Piratenpartei die “Netzpartei” ist und somit jeder über alles twitter, blogt usw. ;-) .

    Vieleicht sieht man sich ja mal :D .

    Philipp
    Stammtisch Landshut

  6. Philipp sagt:

    Also für mich ist die Piratenpartei so wie sie jetzt auftritt unstrukturiert und unattraktiv

  7. Sebastian sagt:

    Eine Interessenspartei, die überall eine Meinung hat ist schlecht.
    Hätten sie zu allem eine Meinung wäre das Heuchlerei und Stimmengaunerei (CSU, FDP).
    Und selbst wenn eine Interessenspartei in eine Regierung kommt, dann sind die anderen Positionen durch Koalitionspartner gedeckt.
    Interessensparteien bestehen auch nur so lange, wie sie von Nöten sind. In ein paar Jahren, so grob 5 bis 30, wird’s die Piraten nicht mehr geben.
    Es sei denn der schwarz(-gelb)e Block gehirnwäscht seine Jugend noch massiver.

    Achja, das Internet IST essentiell und das was momentan geschieht erfordert eine ECHTE Partei für Bürgerrechte.
    So wie die Piraten.

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