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17
Nov

Technology meets Talent – Das Verständnis von Open Innovation bei der Telekom


Technology meets Talent

Ich war in München. Auf der Vortrags- und BarCamp-Veranstaltung “Technology meets Talent” der deutschen Telekom. “Open Innovation” war das Thema, aber ich glaube, die Telekom hat da etwas nicht ganz hundertprozentig verstanden, wenn auch die Absichten löblich waren.

Für mich ist “Open Innovation” der Prozess des Ideenaustausches im Sinne von freier, ungezwungener Innovationsfindung – ganz frei nach dem Motto “Share ideas to get ideas”. Im Idealfall ist das Ergebnis dieses Prozesses ein gegenseitiger Nutzen für alle beteiligten. Es existiert also ein Problem, die Lösung wird in einem offenen Prozess gefunden und schließlich von allen Beteiligten – so weit möglich – implementiert. Das ist Open Innovation.

Share ideas to get ideas

Jetzt kann es natürlich sein, dass ich selbst ein falsches Bild von diesem Prozess habe – oder einfach zu naiv oder utopisch denke – denn die deutsche Telekom muss wohl ein ganz anderes Verständnis besitzen.

Aber bevor ich erkläre, warum ich das so sehe, muss ich auch ein paar sehr lobende Worte loswerden. Die deutsche Telekom hat erkannt, dass Innovation und die vorgeschaltete Innovationsfindung eine lohnende Investition ist. Das ist super. Hinter Developers Garden und Technology meets Talent kann man durchaus interessante Absichten erkennen.

Der Developer Garden ist eine neue Web 2.0-Community, in der sich alles um Software-Entwicklung dreht. Die Deutsche Telekom öffnet ihre Schnittstellen für einfallsreiche Programmierer und führt damit ihren Weg in Richtung Open Development konsequent fort. http://www.developergarden.com/ueber_developer_garden

Ja, ich muss auch anmerken, dass die Öffnung der Telekom API tatsächlich ein interessanter und zukunftsweisender Schritt ist, aber ich werde später noch drauf kommen, warum die Telekom wohl nicht den erwünschten Erfolg haben wird.

Also, was haben wir? Auf der einen Seite haben Developers Garden – eine Community, die Entwickler anziehen und die offene Telekom API für Entwickler interessant machen soll. Programmierer und Entwicklerteams sollen selbst kreativ werden und Programme, Ideen, Geschäftsmodelle und Konzepte rund um die Telekom entwickeln – und vor allem in der Community offen teilen. Auf der anderen Seite gibt es die Veranstaltungsreihe Technology meets Talents. Hier läd man Studenten – junge kreative Menschen – ein um sie in BarCamps in Anwesenheit von Telekom-Mitarbeitern neue Ideen zu entwickeln oder anzustoßen.

developersgarden

Und warum macht die Telekom das nicht inhouse? Vielleicht, weil sie es nicht kann? Oder weil sie eben doch noch der unkreative, magentafarbende Dinosaurier ist?

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Die Scout24 Gruppe gehört zu der deutschen Telekom. Kennt ihr: Autoscout24, Friendscout24, Immobilienscout24. Rießen Ding. 1000de Mitarbeiter. Und die waren auf der Technology meets Talent in München stark vertreten. Das versprochene konkrete Beispiel: BarCamp1 “Geschäftsmodelle im Mobile Web”. Dominiert wurde die Diskussion von Scout24 Mitarbeitern und so war das dominierende Thema auch die Scout24 iPhone App. Fragestellung: Wir haben eine iPhone App. Jetzt erzählt uns Scout24 Leuten mal, wie wir damit Geld verdienen können.

Aha! Darum gehts. Keine eigenen Ideen, also unter dem Deckmantel des Open Innovation Ideen der Studenten abstauben? Weiteres Beispiel: BarCamp2 “Erwartungen an die geöffnete Telekom API”. Gleiches Spiel: Telekom Mitarbeiter dominieren die Diskussion und suchen nach Ideen, was sie denn jetzt mit ihrer API anfangen sollen. Es geht noch weiter: BarCamp4 “Lokale Mashups”. Ganz krass: im BarCamp sitzen sechs Mitarbeiter von Scout24, ein Telekom-Mitarbeiter der die Diskussion moderiert und acht Studenten. Fragestellung: Wir haben hier was vor bei Scout24 und wollen ein Mashup machen. Wie können wir damit Geld verdienen? Ist euch auch schon aufgefallen, dass die Fragestellungen immer auf Geschäftsmodelle hinauslaufen?

Liebe Telekom. Was soll das denn? Wir Studenten sind ja nicht blöd liebe Telekom. Wir riechen den Braten doch. Das ging sogar so weit, dass nach der abschließenden Podiumsdiskussion aus dem Publikum gefragt wurde, was denn mit den eingebrachten Ideen passieren würde.

Liebe Telekom. Open Innovation beruht auf Gegenseitigkeit. Open Innovation hat nichts mit kostenlosen Ideen zu tun. Ja, ihr habt uns eine tolle Chance und eine tolle Veranstaltung geboten. Aber abgesehen davon? Bitte liebe Telekom. Überdenkt euer Konzept noch einmal. Ihr gebt uns eine Plattform zur Diskussion auf Developers Garden. Aber muss ich als Entwickler denn immer Angst haben, dass der magentafarbende Dinosaurier und die Kollegen von Scout24 mitlesen? Vielen Dank für die offene API. Ja, wirklich. Aber wie gesagt, das Geschäftsmodell muss überdacht werden. Aber darüber schreibe ich in meinem blog in nicht alzu ferner Zukunft noch einmal.

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